Historie musikalische Leitung

Die Gründung des Orchesters im Jahr 1933

In der 30er Jahren entwickelte sich die diatonische Handharmonika zu einem beliebten Volksinstrument, weil sie durch die Griffschrift leicht zu erlernen war und schnell zu spielerischen Erfolgen führte. Bald gründeten sich in vielen Orten Harmonikaorchester. Diesem Modetrend folgend fanden sich im Jahre 1933 einige Freunde der Harmonika zusammen, um gemeinsam zu musizieren, und gründeten somit das erste Harmonika-Orchester-Flache Erfurt.

Harmonika-Orchester-Flache Erfurt vor dem Kaisersaal in Erfurt

Musikalische Leitung von 1933 bis 1977

musikalische leitung
Robert Flache

In idealistischer Arbeit verstand es Robert Flache als verantwortlicher Leiter, das Niveau zu heben, und so fanden bereits in den dreißiger Jahren die ersten großen Konzerte in Erfurt im damaligen Reichshallentheater und im Stadthaussaal statt.

Die Konzerte wurden vom Orchester und den Schülern der Harmonika-Schule Flache gestaltet, die zuerst in der Bergstraße und ab 1936 dann in der Heinrichstraße 4 ihr Domizil hatte. So schreibt eine Erfurter Zeitung über ein Werbekonzert des ersten Erfurter-Harmonikaklubs am Sonntag den 7. November 1937 im ausverkauften Reichshallentheater: „Unter der Leitung von Robert Flache gab es eine sehr ausgedehnte Vortragsfolge mit schätzungsweise 80 bis 100 Spielern als Chor, Jugendchor und Doppelquartett, von Herrn Flache umsichtig und straff geführt.

Aus den Leistungen hob sich das Spiel der Handharmonika-Solistin Edith Flache heraus, die außerordentliches Können zeigte.“

Robert Flache wurde am 12. Februar 1897 in Erfurt geboren. Er eignete sich als junger Mann das Musizieren auf der Geige und Gitarre selbst an. Zum Akkordeonspielen kam er durch das Geschenk eines Akkordeons, für das er sich ein eigenes Lernsystem schaffte. Bereits Mitte der 20er Jahre war Robert Flache mit noch nicht einmal 30 Jahren als musikalischer Leiter verschiedener Musikgruppen und Theatervereine bekannt, wie z.B. der Naturfreundemusikgruppe, einem Zitherverein und der Kapelle Flache, in der er mit seiner Frau Mathilde gemeinsam musizierte.

Die Musik prägte sein ganzes Leben. Einem damaligen Modetrend folgend gründete er im Jahr 1933 ein Handharmonikaorchester. Er schrieb bis tief in die Nacht Noten und arrangierte aus den Originalpartituren großer Sinfonieorchester die Stücke für sein Orchester. Bis zum Kriegsausbruch unterrichtete er an der Musikhochschule Weimar im Fach diatonische Handharmonika.

Bei einigen Besuchen in Trossingen lernte er die dortigen Lehrmethoden im Gruppen- und Einzelunterricht kennen, übernahm diese für seinen eigenen Unterricht und gestaltete seine Proberäume in der Heinrichstraße 4 in Erfurt mit viel Liebe entsprechend selbst um. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Mathilde Flache erteilte Robert zahlreichen Schülern bis zu seinem 73. Lebensjahr Gruppen- und Einzelunterricht für Akkordeon, diatonische Handharmonika und Klavier. Mit 80 Jahren gab Robert Flache im Jahr 1977 mit seinem Orchester das letzte Konzert auf der Erfurter IGA. Im gleichen Jahr verstarb er.

Die weitere Entwicklung unter Robert Flache

Besondere Höhepunkte späterer Konzerte war der Auftritt des Akkordeon-Duos Mathilde und Edith Flache. Sie wurden unter dem Namen „Die beiden Flaches“ als Akkordeonvirtuosinnen bekannt und gewannen zahlreiche Wettbewerbe.

Auch besonders begabte Schüler gaben Soloeinlagen zu Konzerten, wie zum Beispiel Helga Heine, die mit ihrer diatonischen Handharmonika das Programm krönte.

Die beiden Flaches

Unter schwierigen Bedingungen wurde auch während des Krieges der Harmonikaunterricht mit der Assistentin Ruth Kämpf aufrechterhalten. „Die beiden Flaches“ wurden zur Truppenbetreuung abkommandiert, und das Orchester fuhr zu einer Wehrmachtstournee vier Wochen in den Raum Westpreußen-Danzig.

In Erfurt gab es zahlreiche Konzerte jeweils am Sonntagmorgen in den Lazaretten der Kriegsverwundeten.

In den ersten Nachkriegsjahren führte das Orchester wieder Benefizveranstaltungen für soziale Zwecke durch und veranstaltete Konzerte für die aus der Gefangenschaft heimkehrenden Soldaten in den Heimkehrerlagern Petersberg und Kalkreiße.

Zur Pflege der Volksmusik durch den damaligen Rundfunksender Weimar wurden viele Auftritte und Bandaufnahmen getätigt. Es gab Sonntagskonzerte mit anderen Gruppen, wie dem Mandolinenorchester und dem Chor der Sängerfreunde Erfurt. Bei Volksmusikwettstreiten konnte das Orchester sogar an den Endausscheiden in Berlin teilnehmen. Zu den Musiktagen in Klingenthal wurden im Akkordeon-Wettstreit „Die beiden Flaches“ und auch das Orchester mit Preisen und Urkunden ausgezeichnet.

In Verbindung mit der Musikhochschule Weimar gab es viele Konzerte mit Gesangssolisten, die sowohl der Pflege der Volksmusik als auch der klassischen Musik dienten.
Im November 1958 fand ein festliches Konzert anlässlich des 25-jährigen Bestehens im Stadtgarten zu Gunsten des Erfurter Tierparks statt. 1960 wurde ein Schülerkonzert veranstaltet, dessen Erlös wieder zur Unterstützung des Tierparks diente.

Musikalische Leitung von 1977 bis 1989

musikalische leitung
Helmut Heyn

Helmut Heyn, der Schwiegersohn Robert Flaches, wurde am 2. Januar 1919 geboren. Sein Weg führte ihn im Jahr 1936 zur Familie Flache, als er bei Mathilde Flache Akkordeonunterricht erhielt. Er wurde im Jahr 1939 zum Kriegsdienst eingezogen und geriet in Gefangenschaft. Am Mississippi gründete er während der offenen Gefangenschaft eine Bigband. Von einem Afroamerikaner erhielt er eine italienische Harmonika geschenkt. Später kam er nach England, wo er an der Universität Oxford seine Lehrerausbildung im Fach Akkordeon abschloss. In London war er als Berufsmusiker tätig. Als er 1948 nach Deutschland zurückkehrte, heiratete er die Tochter von Robert und Mathilde Flache, Edith Flache. Viele Jahre spielten Helmut Heyn und seine Frau Edith sowie ihre Mutter, Mathilde Flache, im Trio. Bis zum Tod Robert Flaches ( musikalische Leitung ) reisten Edith und Helmut Heyn mit Annemarie Ludwig als „Heyn-Trio“ und später mit Annemaries Ehemann Günter als „Heyn Quartett“ durch das Land und gaben zahlreiche Konzerte in Kureinrichtungen, Krankenhäusern und Ferienheimen in der damaligen DDR.

Heyn-Trio

Die eigene Ausbildung von Schülern über Jahrzehnte hinweg konnte auch zu DDR-Zeiten das Fortbestehen des Klangkörpers, wenn auch in kleinerer Besetzung sichern. Mit der Anschaffung eines Elektroniums konnten die klanglichen Möglichkeiten stark erweitert werden. In dieser Zeit erfolgte die Änderung des Namens in „Elektronium-Akkordeon-Ensemble des Funkwerkes Erfurt“.
Auch die Erfurter IGA bot über Jahrzehnte hinweg zahlreiche Gelegenheiten für Konzerte.

Konzert auf der Erfurter Iga in den 80iger Jahren

Neben den vielen Auftritten und anderen gemeinsamen Aktionen des Orchesters erinnert man sich auch immer wieder gern an besondere Höhepunkte. Es ist nicht unbedingt üblich, dass ein kleines Laienorchester zu Fernsehaufnahmen für die Sendung „Oberhofer Bauernmarkt“ gebeten wird. Hierzu ist in der Vereinschronik zu lesen:

„Am frühen Morgen des 3. März 1980 fuhren wir mit dem Bus nach Suhl-Heinrichs. Dort verbrachten wir zunächst eine ganze Weile mit Proben und Warten auf den großen Auftritt. Die Spannung wuchs und wuchs. Gegen Abend war es dann endlich soweit: Die Sendung konnte aufgezeichnet werden. Zunächst wurden unsere Damen gebeten, als Tanzpartnerinnen für andere männliche Künstler des Abends zu Verfügung zu stehen. Doch bevor wir unseren Auftritt hatten, fiel die Kamera aus und wieder war Warten angesagt. Am späten Abend durften wir nun unsere Stücke spielen. Erst gegen Mitternacht traten wir, vom langen Tag gezeichnet, die Heimfahrt an.“

Vom 22. bis 24. Juni 1984 nahmen wir an den Arbeiterfestspielen in Gera teil. Dort waren wir auf dem Gut Hartmannsdorf in der Nähe von Eisenberg hervorragend untergebracht. Uns wurde ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm geboten. Wir gaben Konzerte auf dem Marktplatz in Bürgel sowie im Zentrum der Stadt Gera.

Das 55-jährige Orchesterjubiläum nahmen wir zum Anlass, um neben einem Festkonzert im damaligen Funkwerkklubhaus ein Treffen mit „Ehemaligen“ aus Ost und West durchzuführen.

musikalische leitung
55 jähriges Orchesterjubiläum

Musikalische Leitung von 1989 bis 1998

musikalische leitung
Edith Heyn, wurde von allen liebevoll „Mausi“ genannt!

Edith Heyn wurde am 10. November 1921 als Tochter von Robert und Mathilde Flache geboren.
Bereits mit 7 Jahren erhielt sie Klavierunterricht von ihrer Mutter. Wie seinerzeit ihr Vater Robert Flache brachte sie sich das Spielen von Akkordeon und diatonischer Handharmonika selbst bei. Ab 1938 studierte sie an der Musikhochschule Weimar im Hauptfach Klavier und Geige im Nebenfach.

In ihren Semesterferien legte sie an der Akkordeonschule Trossingen bei Hugo Hermann ihre Prüfung als Lehrerin für diatonische und chromatische Harmonika ab. Der Ausbruch des Krieges beendete das Studium in Weimar. Edith wurde als Stabshelferin an die Front geschickt.

Später wurden Edith und ihre Mutter Mathilde für die musikalische Truppenbetreuung abkommandiert. Unter dem Namen „Die beiden Flaches“ weilten Edith und Mathilde Flache auf Wehrmachtstourneen in Finnland, Italien und Ungarn. Bis zum Kriegsende 1945 wurden beide zum Arbeitsdienst im Funkwerk Erfurt eingesetzt.

Als Akkordeonduo gewannen Edith und Mathilde später zahlreiche Wettbewerbe. 1949 heiratete sie Helmut Heyn. Edith erteilte Klavierunterricht und bestritt mit ihrem Mann zahlreiche Konzerttourneen. Aus der Ehe von Helmut und Edith Heyn gingen die Zwillingstöchter Angelika und Brigitte hervor. Angelika spielt seit vielen Jahren aktiv im Orchester mit. Nachdem Helmut Heyn am 29. Oktober 1989 verstorben war, leitete Edith Heyn, von allen liebevoll „Mausi“ genannt, das Akkordeonorchester bis zu ihrem 77. Lebensjahr. Danach übernahm Harald Benkert die musikalische Leitung des Orchesters. Edith Heyn war bis zu ihrem Tod am 15.12.2005 als Ehrenvorstandsmitglied tätig.

Bis zur Wende war das Ensemble dem VEB Mikroelektronik Funkwerk Erfurt angegliedert. Es war zu DDR-Zeiten üblich, dass größere Betriebe Kulturgruppen betreuten. Mit der Wiedervereinigung gab es für solcherlei Verbindungen keine Grundlage mehr. Das Ensemble stellte nun keine Körperschaft im rechtlichen Sinne mehr dar. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, gründeten die Mitspieler am 17. März 1995 den Verein mit dem Namen Akkordeonensemble „Robert Flache“ e. V.. Zur ersten Vorsitzenden wurde Ines Wesselow, zum Stellvertreter Winfried Zühlke gewählt. Weitere Vorstandsmitglieder waren Edith Heyn als Konzertmeisterin und Renate Steinbrück als Schatzmeisterin. Im Laufe der nächsten Jahre traten auch ehemalige Mitspieler des Orchesters, die zwischenzeitlich überwiegend in den alten Bundesländern lebten, dem Verein als passive Mitglieder bei. Zur Mitgliederversammlung im Jahr 2000 wurde per Satzungsänderung der Name des Vereins in „Erfurter Akkordeonorchester Robert Flache e. V.“ geändert, um stärker der langen Tradition des Orchesters in der Stadt Erfurt Rechnung zu tragen.

Bereits vor der Vereinsgründung war das Ensemble Mitglied im Deutschen Harmonika-Verband. Mit der Gründung des Landesverbandes Thüringen nahm der damalige Vorsitzende Manfred Gärtner Kontakte zu unserem Ensemble auf, die sich zu einer engen musikalischen Partnerschaft mit den beiden anderen Orchestern in Altenburg und Jena entwickelten.

Musikalische Leitung seit 1998

musikalische leitung

Harald Benkert übernahm die musikalische Leitung des Orchesters im März 1998. Er wurde am 12. Juni 1962 in Arnstadt geboren, wuchs in Achelstädt im Ilm-Kreis auf und lebt heute dort mit seiner Familie. Wie auch seine Vorgänger verfügt Harald Benkert über eine breite musikalische Ausbildung. Im Alter von sieben Jahren erhielt er den ersten Unterricht auf der diatonischen Handharmonika bei seinem Onkel.

Ab 1972 begann er bei Lya Dietze seine Ausbildung im Fach Akkordeon an der Bezirksmusikschule Erfurt, Außenstelle Arnstadt, die er 1979 mit dem Oberstufenabschluss beendete.
Als Lehrer für Musik und Ethik am Staatlichen Gymnasium „MELISSANTES“ Arnstadt ist Harald Benkert beruflich eng mit der Musik verbunden. Dort gründete er im Jahr 2009 ein Schulorchester, welches Thüringen im Jahr 2017 bei der Bundesbegegnung „Schulen musizieren“ in Karlsruhe erfolgreich vertreten hat. Zudem hat das Schulorchester schon zu verschiedenen Gelegenheiten die Konzerte des Erfurter Akkordeonorchesters durch gemeinsame Darbietungen bereichert.
Seine Freizeit ist ebenfalls der Musik gewidmet. Von 1991 bis 2011 übte er die musikalische Leitung des Männergesangvereins Elleben 1746 e.V. aus, der im April 1994 als ältester Gesangsverein Deutschlands mit der Zelterplakette geehrt wurde.

Dem Verein ist er auch heute noch als Ehrenchorleiter eng verbunden. Darüber hinaus übernimmt er ehrenamtlich den Orgeldienst in der Kirche seines Heimatortes und vertritt die Belange der ehrenamtlichen Kirchenmusiker in der Synode des Kirchenkreises Arnstadt-Ilmenau.

Wie auch Helmut Heyn bereichert er das Repertoire des Orchesters seit vielen Jahren durch vielseitige eigene Arrangements.

Weitersagen via: